Mit WILD COMPANY präsentiert das Kunstforum der Werkschule Oldenburg eine Ausstellung der süddeutschen Künstlerin Claudia Kraml, deren keramische Gefährten sich als wilde, zarte und zugleich überraschend menschliche Begleiter zeigen. Der Titel deutet bereits an, dass hier kein vertrautes Tierensemble zu erwarten ist. Vielmehr begegnet dem Publikum eine Gesellschaft aus eigenwilligen, liebevoll modellierten Wesen – eine „wilde Gesellschaft“, die sich aus Tierformen, menschlichen Anmutungen und den Zwischenräumen dazwischen zusammensetzt.
Kramls Figuren sind Sympathieträger, obwohl – oder gerade weil – sie nicht dem Gewohnten entsprechen. Manche wirken scheu, andere trotzig oder selbstbewusst, doch alle scheinen mit einer inneren Stimme ausgestattet, die in stiller Präsenz in den Raum hineinwirkt. Ihre Blicke sind aufmerksam, suchend, manchmal herausfordernd, oft von einer melancholischen Tiefe geprägt, die berührt und irritiert.
Viele dieser Wesen erinnern an Tierarten, entziehen sich jedoch jeder eindeutigen Zuordnung. Die Künstlerin spielt bewusst mit Identität und Erwartung: Ist ein vermeintlicher Fuchs vielleicht doch ein Wolf im Schafspelz? Oder bestimmt am Ende nicht die Hülle das Wesen, sondern umgekehrt? Durch diese Verschiebungen entstehen Figuren, die vertraut und fremd zugleich erscheinen – Geschöpfe einer Zwischenwelt, die die komplette Bandbreite menschlicher Empfindungen spiegeln.
Auch formal bricht Claudia Kraml konsequent mit Konventionen. Ihre Oberflächen zeigen das Raue, Schrundige und Verletzliche. Drahthaare an ungewöhnlichen Stellen und sorgfältig lackierte Finger- und Fußnägel setzen irritierende Akzente und verstärken die Spannung zwischen Ungeschöntem und Zartheit. Die Skulpturen wirken gezeichnet von Erfahrungen, Spuren und Brüchen – und gerade dadurch unverwechselbar lebendig.
In der Ausstellung begegnen die Besucherinnen und Besucher Figuren, die wirken, als seien sie aus einem Zwischenreich herübergetreten: Reisende, Grenzgänger, Suchende. Sie bewegen sich im Niemandsland zwischen Leben und Tod, Nähe und Fremde, Jetzt und Erinnerung. Ihre melancholische Poesie, ihre stille Weisheit und ihre kleine Narrenfreiheit machen sie zu berührenden, nachhallenden Erscheinungen – zu Gefährten im tiefsten Sinne.
Wir laden Sie herzlich zur Vernissage am Samstag, den 18. April, um 11 Uhr im Kunstforum der Werkschule ein. Die Ausstellung wird von Puck Steinbrecher (Galerie Modern, Bad Zwischenahn) eingeführt.
Einblicke in Claudia Kramls Arbeitsweisen und künstlerischen Hintergrund bietet das Keramikerportrait am 30.07.2026.