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Neues aus der Werkschule

Vernissage: Mit dem Rücken zur Wand | 24.04 | 19 Uhr

Die klassische Kunstbetrachtung folgt einem tief verankerten Paradigma: Ein Kunstwerk wird isoliert präsentiert, der Betrachtende positioniert sich davor und fokussiert sich ausschließlich auf das Werk – der Raum, andere Anwesende sowie die eigene physische Präsenz bleiben ausgeblendet. Diese vermeintlich einseitige Form der Rezeption, stellt das Kunstwerk in den Mittelpunkt, während die Betrachter:innen zu reinen Rezipient:innen reduziert werden. Doch was passiert, wenn diese Perspektive aufgebrochen wird? 

Mit seiner Ausstellung „Mit dem Rücken zur Wand“ stellt der niederländische Künstler Peer Holthuizen genau diese Frage. Die Installation ist ein bewusster Bruch mit dem traditionellen Kunstverständnis, und greift so große Themen der Moderne auf, wo das Verhältnis zwischen Kunst und Betrachter:in erstmals aufgebrochen wurde. Betrachtende wurden auf die Subjektivität ihrer Wahrnehmung hingewiesen und der Status der Objektivität den bis dato viele Werke genossen, wurde ins Wanken gebracht. Kunst ist somit, wie Beuys betont nicht einfach „da“, sondern muss erst entstehen. In Anlehnung an künstlerische Positionen, wie die von Beuys, Marina Abramović oder John Bock, welche die Rolle der Betrachtenden und die Wechselwirkung zwischen Kunstwerk, Raum und Publikum hinterfragen, entwickelt Holthuizen ein immersives Setting, das den rezeptiven Status der Besuchenden auflöst. 

Neben der interaktiven Erfahrung spielt auch das Material eine zentrale Rolle. Holthuizen arbeitet seit Jahrzehnten als Projektkünstler in Vorhaben relatierten und gesellschaftlichen Kontexten und mit einer Vielfalt Werkstoffen, unter anderem auch mit Pappe – einem Werkstoff, der zunächst unscheinbar wirkt, aber vielfältige gestalterische Möglichkeiten eröffnet. Die bewusste Wahl dieses wiederverwendeten Materials, lenkt den Blick auf Themen wie Vergänglichkeit, Nachhaltigkeit und die Fragilität unserer Wahrnehmung. Die Rolle oder das Image von Pappe als Material von relativ kurzer Wertigkeit wird somit herausgefordert  Bereits in den 1980er Jahren machte er in den Niederlanden mit seinem „Pappsofa – ideal für das kurzlebige Heim“ auf sich aufmerksam und entwickelte seither großflächige Papp-Installationen für Bühnenbilder, Messen und künstlerische Interventionen. 

Ein wesentlicher Bestandteil der Ausstellung sind die wöchentlichen Veranstaltungen, die inmitten der Installation stattfinden. Diskussionsrunden, Tagungen und Präsentationen verschiedener Akteure fügen sich in das Konzept ein und laden zur multifokalen Betrachtung ein. Die Ausstellung wird so nicht nur zur begehbaren Skulptur, sondern auch zu einem lebendigen Ort der Begegnung und Reflexion. 

Sie sind herzlich eingeladen zur Vernissage am 24.04. um 19 Uhr im Kunstforum Oldenburg!

„Mit dem Rücken zur Wand“ wird vom 25.04. – 12.06.2025 ausgestellt.